1. November 2017 um 08:28

Reformation

Dass am 31. Oktober 2017 der fünfhundertste Jahrestag der Reformation mit einem Feiertag gefeiert wurde, gehört sich so für eine Nation mit zwei großen Konfessionen und Volkskirchen, zumal im Land der Reformation. Dass die Katholische Kirche eingeladen war, ist nobel und alles andere als selbstverständlich. Aus dem Jubeljahr wurde ein ökumenisches Jahr.
Hier eine Bestandsaufnahme in Skizzen:

 

Die versöhnte Verschiedenheit, die beide Großkirchen in Deutschland praktizieren, ist noch nicht Einheit, aber vieles gelingt gemeinsam, und der Bundespräsident hat diese Sprachformel jüngst sogar für Europa ins Spiel gebracht: Verschieden ja, aber versöhnt, wie Freunde oder Brüder.
Haken tut es beim gemeinsamen Abendmahl und anderen wünschenswerten Gemeinsamkeiten, wie z.B. einem gemeinsamen Sound in der Übersetzung der Bibel. Das Projekt Einheitsübersetzung gilt leider nur noch innerkatholisch, obwohl es als gemeinsamer Sprachgebrauch geplant war. Die Lutherübersetzung – erst kürzlich revidiert – ist den Evangelischen – mit Verlaub – wohl „heilig“. Katholiken nehmen das zur Kenntnis und möchten anmerken, dass das Abendmahl in Form der Eucharistiefeier mit gewandelten Elementen durch einen geweihten Priester eben auch heilig ist und nicht einfach ohne Klärung der Amtsfrage gemeinsam begangen werden kann.
Die Frage von Frauen als geweihte Priester verneint die katholische Kirche. Sie orientiert sich am historischen Jesus bei der Auswahl der zwölf Apostel. Ohne einen Diskussionsbeitrag zu liefern, darf doch wohl angemerkt werden, dass es die Frauen recht gut machen in der evangelischen Kirche. Umgekehrt wurde katholischerseits noch nie eine Neuerung auf den „Druck der Straße“ hin eingeführt, sondern immer auf einen geistlichen Prozess hin, wie z.B. bei der Einführung der Muttersprache in der Heiligen Messe.
Die Frage des Zölibats scheint immer noch heiß diskutiert und wird immer wieder verbunden mit dem Priestermangel. Dabei lebte Jesus von Nazareth nicht in einer Ehe, sondern für das Himmelreich und auch die ersten Apostel lebten zwar verheiratet, aber auch enthaltsam, quasi als Vorbereitung auf das nahe Kommen Christi zum jüngsten Gericht. Das Zölibat hat in westlichen Ländern zuletzt deutlich an Signalwirkung eingebüßt. Die umfassende Verfügbarkeit für den Heilsdienst erscheint durchaus auch mit der Ehe vereinbar. Umgekehrt werden evangelische Pfarrer inzwischen von ihren Gemeindemitgliedern mit wenig Rücksicht auf Ehe und Familie in Anspruch genommen. Und in aller Freiheit wählt eben auch kaum einer oder eine die Ehelosigkeit als Zeichen der Ganzhingabe. Auf beiden Seiten herrscht eine gewisse Monokultur der Lebensformen.
Frauenordination, faktisches Heiratsgebot für ordinierte Pfarrpersonen und synodales Prinzip, also das Mehrheitsprinzip auch in Fragen der Lehre und Ethik haben die evangelische Kirche gut auch in der postmodernen Gesellschaft verankert. Die katholische Kirche scheint demgegenüber immer aus dem Defizit heraus zu argumentieren. Den Papst, die Marien- und Heiligenverehrung, die Hierarchie und das Weiheamt allein für berufene Männer gibt es auch lange Zeit nach Luther, Aufklärung und Französischer Revolution immer noch. Und dennoch hat sich die römische Kirche immer wieder reformiert, insbesondere spirituell. Der große Wurf war zweifelsohne das II. Vatikanische Konzil. Ausgehend vom Papst selbst und lange vor dem Beginn der 68er Bewegung hat sich die Kirche an ihre Ursprünge erinnert und rückgekoppelt: Die Bibel ist grundlegend, aber eben auch die Tradition und das Amt, dem man durchaus etwas zutrauen kann. Und: Die katholische Kirche bringt der Gesellschaft einiges ein. Ihre soziale Bindekraft ist trotz aller Kritik immer noch enorm. 2,4 Millionen katholische Menschen besuchen jeden Sonntag einen Gottesdienst. Katholische Christinnen und Christen spenden neben der Kirchensteuer enorme Summen, meistens über ihren eigenen Kreis hinaus. Die Kinder- und Jugendarbeit ist und war trotz gegenteiliger Meinung und trotz Missbrauchsskandal herausragend und am Mensch orientiert und nicht an irgendeinem Zweck ausgerichtet. Die Statistik spricht eine klare Sprache. Der direkte Vergleich beider Kirchen ist für wenige Jahre möglich, da beide Konfessionen ungefähr den gleichen Anteil von 27%  an der Gesamtbevölkerung aufweisen. Wie ticken die Kirchen und was kommt dabei raus? Beide Kirchen haben von außen betrachtet ihre Schlagseiten, Schwerpunkte und Vorteile. Sie sind bei gleicher Begründetheit auf Taufe, Heilige Schrift und apostolisches Glaubensbekenntnis auch sehr unterschiedlich. Glaubens- und einsetzender Hauptamtlichenmangel zeichnet sich jedoch in beiden Glaubensgemeinschaften ab. Eine Sprachlosigkeit gegenüber den Fragen der Zeit bei gleichzeitiger Überdehnung der öffentlichen Aufgaben zeigt, dass die Herausforderungen durch eine sich stark verändernde Gesellschaft weder durch das katholische noch das evangelische Prinzip allein zu beantworten sind. Welche neuen Wege die Kirchen in Zukunft auch gehen müssen, sie sollten es gemeinsam tun. Sie sollten an einander reich werden. Lebens- und Sonntagsschutz, Friedensengagement und Flüchtlingsarbeit sind keine schlechten Marksteine für den Anfang. Die Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation darf nicht als aussichtslos betrachtet werden. Das Evangelium Jesu Christi ist alternativlos!

 


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