23. Januar 2019 um 16:29

Männerspiritualität

„Wo sind die Männer in der Kirche?“ fragt der Vorarlberger Männerreferent Markus Hofer in seinem Buch „Männer glauben anders“.Im Rahmen meiner Ausbildung zum ständigen Diakon im Zivilberuf habe ich mich auf solch eine Suche begeben und biete mit den „mannsbildern“ offene Angebote für „JederMann“ an. Doch was ist Männerspiritualität?

Männer sind auch in religiösen Dingen gerne im Tun und in der Bewegung. Ein Spaziergang mit kleinen Impulsen um ein Kloster, mit Gesprächen unterwegs, die auch weltlich sein dürfen, die Vesper mit dem Schwesternkonvent beten, sowie ein abschließendes (deftiges) Vesper mit Bier oder einem Viertele kommt Männern eher entgegen als im Sitzkreis um Teelichter zu sitzen und ihre religiösen Gefühle auszudrücken, ohne diese Form zu diskreditieren. Dabei brauchen Männer nicht viele Worte oder umfassende Impulse um mit dem Numinosen (Göttlichen) in Berührung zu kommen, das Unterwegssein genügt: „Während Jesus mit seinen Jüngern unterwegs war.“ (Lk 9,57).

Auch Mannsbilder in der Bibel können Männer auf ihrem Lebensweg ansprechen, wenn sie nicht nur durch das verklärte Licht der „Frömmigkeit“ betrachtet werden: David – ein König mit Totalschaden, Noah-der Retter erliegt dem Alkohol oder Josef- der unfreiwillige Stiefvater. Nicht zuletzt auch Jesus, als Mann, nicht weichgespült und soft, sondern von seinen männlichen Eigenschaften her, die in den Evangelien durchscheint, wie etwa bei der entschlossenen Tempelreinigung.

Gerne definieren sich Männer auch durch ihre Körperlichkeit und ihre Kraft. Beim Bogenschießen oder einem Schwertseminar können sie diese austesten und lernen äußeres und inneres Empfinden miteinander in Beziehung zu setzen. Bei den pastoralen Angeboten geht es um Orientierung auf der Suche nach sich selbst und nach Gott.

Nachtwanderungen am Gründonnerstag durch die Natur und mit spirituellen Gedanken zum Kreuzweg Jesu finden auch in unserer Diözese immer mehr Anhänger. Statt bei den Anbetungsstunden betend in der Kirche zu sitzen, geht es gemeinsam durch die Nacht auf den Karfreitag zu. Dieses Angebot gibt es seit letztem Jahr auch in unserer Gesamtkirchengemeinde. „In einer von Männern geleiteten und von Frauen getragenen Kirche“ (Hofer) entdeckt auch die katholische Kirche immer mehr den „gewöhnlichen“ Mann und seine Spiritualität und das nicht nur auf dem alljährlich stattfindenden Männertag in Untermarchtal, sondern auch auf gemeindlicher Ebene. In unserer Gesamtkirchengemeinde gibt es einen Männertreff in der SE FN-Nord, die „grupo dei papá“ der italienischen Gemeinde und die „mannsbilder“. Für so manchen Mann ebnen solche Angebote den Weg zurück zu seinem Glauben und seiner Kirche.

Stefan Ardemani, in Ausbildung zum ständigen Diakon

Fotonachweis: Kath Kirche Vorarlberg / Ölz.

 

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