24. Februar 2026 um 18:00

Hirtenwort von Bischof Klaus Krämer

Bischof Klaus Krämer hat am Sonntag das Hirtenwort veröffentlicht.
Über den Link kommt Ihr direkt zum Nachlesen.

dazu passend auch Gedanken von Dekan Bernd Herbinger:

„Mutiger Anstoß“, Artikel Kirchenanzeiger FN, Anfang 2026

In einer als Störung wahrgenommenen Situation reagierte Jesus spontan mit dem berühmten Wort, dass wir wie Kinder werden sollen, wenn wir in sein Reich eingehen wollen, so die übereinstimmende Überlieferung der Evangelien. Für mich steht die Fokussierung auf die Ursprünglichkeit menschlichen Lebens im Zentrum dieser Aussage Jesu. Während die erwachsenen Zuhörer sich in theoretischen Debatten ergehen, fordern die Kinder Aufmerksamkeit von Jesus: ehrlich, unverstellt, direkt, aber auch freundlich, präsent und aufrichtig. Auch die deutsche Öffentlichkeit ergeht sich oft genug in abgehobenen und nebensächlichen Diskussionen und wir erleben selten, dass man ins Handeln kommt. In unserer Diözese sind wir damit ebenfalls etwas spät dran. Gemeint ist die Antwort auf die Frage wie unser kirchliches Leben in Zukunft gelingen kann. Wie geht es weiter? Welchen Weg sollen wir gehen? Wie entsprechen wir unserem Auftrag als Christen? Ich bin froh, dass unser Bischof mit dem Tag seiner Weihe mit allen Ebenen unserer Ortskirche in einen konstruktiven Dialog getreten ist. Das Ergebnis: Wir müssen unsere Strukturen verschlanken und unsere positive Motivation wieder auf das Wesentliche richten: die Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation! (missionarische Kirche)

Auch wenn die Zahl der Christen wie überall in Europa auch in unserer Region kleiner wird, heißt das nicht, dass es uns nicht weiterhin geben wird. Hat uns Jesus mit den Gleichnissen vom Senfkorn und vom Sauerteig, oder mit dem Zeichen des Erfolgs bei scheinbarer Vergeblichkeit eines erneuten Fischfangs nicht vorbereitet auf eine demütigere und zugleich wirksamere Kirche? Hat folglich die katholische Kirche nicht in der Diaspora über Jahrhunderte an allen möglichen Ecken der Welt überlebt und das nicht mal so schlecht, was die Qualität des Glaubens angeht? Die Kirche Afrikas kommt zum Teil mit Promillebeträgen unserer reichen deutschen Kirche aus und ist dabei sehr lebendig, nicht nur der vielen Kinder und Jugendlichen wegen.

Wir werden also unsere kirchlichen Strukturen verschlanken. Wir werden versuchen, unsere Ideen und die Freude am Glauben nicht in einer Überforderung durch administrative und organisatorische Themen untergehen zu lassen. Zu diesem Zweck werden bis 2030 unsere oft sehr kleinen Gemeinden in neue rechtliche Größen (neue Kirchengemeinde) überführt. So lässt sich Leitung und Verwaltung wesentlich effizienter gestalten bei gleichzeitigem Rückgang von Personal und finanziellen Ressourcen. Gleichzeitig aber werden unsere Gemeinden im pastoralen Sinn eben nicht aufgelöst. Diese von Bischof und Diözesanrat geschaffene Bedingung für die notwendige Weiterentwicklung des verfassten kirchlichen Lebens kann, wie manches in der Vergangenheit, zu einer Besonderheit unserer Diözese werden. Zum sogenannten Rottenburger Modell gehören neben der vollen Mitbestimmung von gewählten Christen in allen örtlichen Belangen und der Eigenständigkeit der muttersprachlichen Gemeinden vielleicht bald auch die Achtung der bisherigen und sogar neuer Kirchorte. Wir gehen hier bewusst nicht den Weg der meisten anderen Diözesen in Deutschland. Das örtliche Leben ist für die Kirche sehr wichtig, gleichzeitig ist es aber auch nicht alles. Je nach pastoraler Fragestellung müssen wir den Blick über unseren Kirchturm hinaus weiten, müssen uns zusammentun in unserer näheren Umgebung, nicht nur wenn es um diakonisch-karitatives Engagement geht. Wir verlieren dabei nicht die besten Erfahrungen, unsere Tradition, aus dem Blick und sind zugleich mutig genug, auszuschreiten in eine Zukunft, die sicherlich auch nicht nur von Sorgen gekennzeichnet sein wird, sondern im Gegenteil von manchem kreativen Ansatz.

Und: Wir sind und bleiben als katholische Kirche eine sakramentale Kirche. Das bedeutet, dass uns neben den weiteren fünf Sakramenten Taufe und Eucharistie besonders wichtig sind. Diese Zuwendungen Gottes sind aber nicht einfach Arbeitsfelder der Priester, der Diakone und der weiteren Personen im Auftrag des jeweiligen Bischofs. Die Sorge um dieses wesentliche Element des Glaubens ist uns allen aufgetragen. Wo die Sakramente lebendig gefeiert werden können, wächst auch der Glaube wieder. Das verkündete, aber auch aufgenommene und geteilte Wort Gottes ist hier ebenfalls zu nennen. Und das Verstehenwollen von Gottes Wort im kleinen Privaten wie im Großen eines Gottesdienstes.

Ein solcher Weg des Geistes macht mir Mut!

Dekan Bernd Herbinger, Vorsitzender Gesamtkirchengemeinde FN

 

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